Handwerk & Fachwissen

Grip-Ausrüstung für einen Dreh vorbereiten: Die Checkliste des Obermaschinisten

3. März 2025

Die Vorbereitung bestimmt, was am Set passiert. Probleme am Drehtag sind fast immer ungelöste Vorbereitungsprobleme. Ein nicht überprüftes Gerät, eine dem Regisseur nicht gestellte Frage, ein zu hastig besichtigtes Motiv — jede Lücke kostet verlorene Zeit, Anspannung und manchmal eine misslungene Einstellung.

Diese Checkliste ist diejenige, die ein Obermaschinst mit dreißig Jahren Seterfahrung bei jedem Dreh anwendet — von Kurzfilmen bis zu HBO-Serien. Sie ist nicht vollständig. Aber sie deckt die Punkte ab, die in keiner Ausbildung erwähnt werden.

Warum ist die Grip-Vorbereitung die kritischste Phase?

Ein professioneller Drehtag kostet je nach Umfang zwischen mehreren Zehntausend und mehreren Hunderttausend Euro. Eine am Morgen verlorene Stunde, weil ein wesentliches Gerät nicht eingeplant wurde, ist ein realer Kostenfaktor — sofort, sichtbar, nicht aufholbar.

Der Obermaschinst ist einer der wenigen Techniker, dessen Vorbereitungsfehler sich sofort im Zeitplan niederschlagen. Wenn die für die Eröffnungseinstellung benötigten Schienen nicht da sind, wird die Einstellung nicht gedreht. Keine andere Abteilung kompensiert das.

„Bei einem HBO-Dreh dauert die Vorbereitung genauso lang wie der Dreh selbst. Das ist eine Regel, die ich seit Anfang an anwende: Für zehn Drehtage plane ich zehn Tage Vorbereitung. Produktionen, die dort sparen wollen, zahlen am Drehtag den doppelten Preis.”

Die Vorbereitung ist nicht nur technisch. Sie ist auch eine Kommunikationsphase — mit dem Regisseur, dem Kameramann, dem 1. Aufnahmeleiter (1. AD), dem Produzenten. Je früher Informationen fließen, desto besser antizipiert jede Abteilung.

Schritt 1 — Das Drehbuch aus der Grip-Perspektive lesen

Erste Aktion bei einem neuen Projekt: das Drehbuch oder die Einstellungsliste lesen. Nicht als Zuschauer — als Maschinst.

Worauf man in dieser Phase achtet:

  • Szenen mit beschriebenen Kamerabewegungen (Kamerafahrten, Kranaufnahmen, Plansequenzen)
  • Motive mit besonderen Einschränkungen (enge Räume, Außen, niedrige Deckenhöhe)
  • Nachtaußenszenen — schwierige Bedingungen, längere Aufbauzeiten
  • Action- oder Stuntszenen (zusätzliche Lasten, Sicherheitskonfigurationen)
  • Fahrzeugaufnahmen (Car Mounts, fahrende Aufnahmeplattformen)

Diese erste Lektüre dient dazu, die Fragen zu formulieren, die dem DoP im Vorbereitungsgespräch gestellt werden. Je früher die Fragen kommen, desto besser orientieren die Antworten die Ausrüstungswahl, bevor Bestellungen aufgegeben werden.

Schritt 2 — Das Vorbereitungsgespräch mit dem Kameramann

Dies ist das wichtigste Treffen des gesamten Prozesses. Der DoP teilt seine Vision der Kamerabewegungen — welche Fahrten, welche Krane, welche Rolle für die Steadicam, welches Präzisionsniveau bei welchen Szenen.

Punkte, die ohne Ausnahme besprochen werden müssen:

Kameraformat und Gesamtgewicht des Aufbaus. Eine ARRI Alexa 35 mit anamorphischen Optiken kann 18 kg auf dem Kopf wiegen. Mit Kopf und Zubehör kommt der gesamte Aufbau auf 25–30 kg. Die Wahl des Dolly und der Schienen hängt direkt davon ab.

Prioritäten bei den Einstellungen. Welche Szenen sind in Bezug auf Bewegung am kritischsten? Wo akzeptiert der DoP keinen Kompromiss? Diese Priorisierung ermöglicht eine kohärente Zuweisung des Ausrüstungsbudgets und der Aufbauzeit.

Dolly-Präferenzen. Manche DoPs haben ausgeprägte Vorlieben — Fisher 10 für Vielseitigkeit, Chapman PeeWee für schwere Produktionen, Elemack für enge Räume. Diese Vorlieben zu kennen vermeidet Diskussionen am ersten Drehmorgen.

Geplante Plansequenzen. Falls vorhanden, genau identifizieren und notwendige Proben einplanen. Eine dreiminütige Plansequenz wird nicht improvisiert — sie wird geprobt, bis jedes Element perfekt synchronisiert ist.

Schritt 3 — Technische Motivbesichtigungen

Die technische Motivbesichtigung mit dem DoP ist ein Ortsbesuch mit einem konkreten Ziel: die Einschränkungen bewerten, die jedes Motiv der Grip-Ausrüstung auferlegt.

Checkliste für Boden und Raum:

  • Bodenbeschaffenheit: Parkett, Beton, Fliesen, Teppich, Kies, Rasen — jede Oberfläche erfordert andere Lösungen (Dolly mit Rädern, Schienen, Dollies mit übergroßen Luftreifen)
  • Gefälle: Selbst eine Neigung von 1 bis 2 Grad erfordert Keile unter den Schienen zur Gewährleistung der Stabilität
  • Verfügbarer Platz: Breite der Flure und Durchgänge (ein Standard-Dolly benötigt ca. 1,5 m manövrierbarer Breite), Deckenhöhe für Krane
  • Motivzugang: Wie kommt die Ausrüstung hinein? Treppen, Aufzüge mit geringer Kapazität, enge Durchgänge — jede logistische Einschränkung übersetzt sich in Zeit
  • Vorhandene Verkabelung: Kabel auf dem Boden können die Dolly-Räder blockieren; ihr Management wird bei der Besichtigung geplant, nicht am Drehmorgen

Checkliste für Wetter und Außen:

  • Sonnenstand zu den geplanten Drehzeiten
  • Windrisiken (Kranstabilität)
  • Tragfähiger Boden — aufgeweichtes Gelände kann das Gewicht eines Teleskopkrans mit Gegengewicht möglicherweise nicht tragen
  • Plan B bei Regen (Schienen können unter Schutz verlegt werden, aber nicht alle Geräte)

Schritt 4 — Die Materialliste erstellen

Nach Besprechungen und Besichtigungen erstellt der Obermaschinst die vollständige Materialliste. Sie ist die Grundlage für das Angebot — ob für externe Miete oder den Einsatz des eigenen Bestands.

Die Standardliste umfasst:

Kamerawagen und Dollies

  • Hauptdolly-Typ (Fisher 10, Chapman PeeWee, Panther S-Type)
  • Zweitdolly, wenn die Produktion zwei gleichzeitige Konfigurationen erfordert
  • Dolly-Zubehör: Schwenkarm, Armverlängerungen, Plattformen

Schienen und Fahrsysteme

  • Benötigte Gesamtlänge gerader Schienen
  • Kurvenschienen (Radius und Winkel gemäß Einstellungsliste)
  • Nivellierkeile
  • Verbindungsstücke und Sicherungen

Kamerastützsysteme

  • Fluidköpfe (O’Connor, Cartoni, Sachtler je nach Vorlieben des DoP)
  • Mit den geplanten Kameras kompatible Grundplatten
  • Nivellierunterlage (Fluidkopf)

Krane und Schwenkarme

  • Krantyp nach erforderlicher Reichweite (leichter Jib, Egripment-Arm, Technocrane bei Bedarf)
  • Motorisierter Kopf (MoVI, DJI RS-Serie für leichtere Konfigurationen)
  • Passende Gegengewichte

Sicherheitsausrüstung

  • Gurte und Gewichte für alle Überkopfinstallationen
  • Schienenabsicherungen (visuelle Markierungen für das Team)
  • Persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, Sicherheitsschuhe für das Team)

Schritt 5 — Abstimmung mit dem 1. Aufnahmeleiter

Der 1. AD ist der Zeitplan-Manager am Set. Die Abstimmung mit ihm während der Vorbereitung stellt sicher, dass realistische Aufbauzeiten in den Drehplan eingebaut werden — und nicht erst am Drehtag entdeckt.

Punkte zur Besprechung mit dem 1. AD:

Aufbauzeit pro Konfiguration. Eine Kamerafahrt auf geraden Schienen benötigt 30 bis 45 Minuten. Ein Teleskopkran 60 bis 90 Minuten. Diese Zahlen gehören in den Drehplan — sie werden nicht im letzten Moment hinzugefügt.

Szenenreihenfolge. Zwei Kamerafahrten in derselben Richtung, im selben Motiv, können sich die Schienen teilen — sofern sie hintereinander gedreht werden. Das wird in der Vorbereitung optimiert, nicht am Set.

Grip-kritische Szenen. Einstellungen, die nicht improvisiert oder verkürzt werden können — Plansequenzen, komplexe Kranaufnahmen — brauchen eigene Zeitfenster, mit Probezeit vor dem ersten Take.

Notfallplan. Was passiert, wenn der Aufbau länger dauert als geplant? Welche Szenen können verschoben werden? Diese Diskussion in der Vorbereitung vermeidet angespannte Verhandlungen am Drehtag.

Schritt 6 — Transportlogistik und physische Ausrüstungsvorbereitung

Die Logistik wird von Produktionen unterschätzt, die zum ersten Mal erleben, was Grip-Ausrüstung physisch bedeutet.

Ein komplettes Paket — 20 Meter Schienen, ein Dolly, ein leichter Kran und Zubehör — füllt einen Transporter mit 12 bis 15 Kubikmetern. Bei manchen Produktionen ist ein dedizierter LKW unverzichtbar. Der Transport — Fahrzeug, Fahrer, Lade- und Entladezeit — ist Teil des Grip-Budgets, ob eingeplant oder nicht.

Vor der Abfahrt zum Dreh:

  • Vollständige Überprüfung jedes Geräts (Lager, Hydraulikzylinder, Verriegelungssysteme)
  • Test der motorisierten Köpfe, wenn sie vorgesehen sind
  • Prüfung der Befestigungen und Sicherheitssysteme an Kranen
  • Lückenloses Inventar, um Vergessen zu vermeiden — ein fehlendes Zubehörteil kann den Aufbau einer ganzen Konfiguration blockieren
  • Batterien und Ladegeräte für elektronische Ausrüstung

„Ich habe auf dem Set gelernt, dass ein hastig durchgeführtes Inventar teuer wird. Man fährt zum Dreh mit drei LKWs und zweihundert Kisten — man muss genau wissen, was in jeder Kiste ist, ohne Ausnahme.”

Schritt 7 — Spezifische Sicherheitsüberprüfungen

Sicherheit am Set ist eine geteilte Verantwortung. Aber Grip-Ausrüstung birgt spezifische Risiken, die direkt in die Zuständigkeit des Obermaschinisten fallen.

Vor jedem Aufbau:

  • Überprüfung der Tragfähigkeit des Bodens für Krane und schwere Konfigurationen
  • Validierung der Nivellierung aller Schienen — nicht nivellierte Schienen erzeugen eine Seitenkraft auf den Dolly, die zu einer Entgleisung führen kann
  • Überprüfung der Gurte und Gewichte an allen Kranköpfen
  • Sicherheitsperimeter um die Dolly-Bewegungszonen (Darsteller und Team müssen wissen, wo sie sich während der Takes nicht aufhalten dürfen)
  • Stromkabel: kein Kabel unter den Schienen ohne geeigneten Schutz

Diese Überprüfungen finden nicht einmal am Tagesanfang statt. Sie werden bei jedem Umbau wiederholt. Ein Set, das sich zwischen zwei Einstellungen verändert hat, kann neue Kabel eingeführt oder Durchgangszonen verändert haben.

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FAQ

Wie weit vor dem Dreh sollte der Obermaschinst kontaktiert werden?

Idealerweise wird der Obermaschinst gleichzeitig mit dem Kameramann kontaktiert — sobald die Produktion bestätigt ist. Bei einer Serie oder einem Spielfilm geschieht dies 4 bis 8 Wochen vor dem ersten Drehtag. Bei einem Werbespot oder Musikvideo 2 bis 4 Wochen. Kürzere Vorlaufzeiten sind möglich, aber sie verringern die Möglichkeit zur Vorausplanung und erhöhen das Risiko vergessener Ausrüstung.

Was ist eine technische Grip-Motivbesichtigung?

Eine technische Grip-Motivbesichtigung ist ein Besuch der Drehorte durch den Obermaschinisten — allein oder mit dem DoP — zur Bewertung der spezifischen Einschränkungen jedes Motivs. Sie ergibt einen Bericht, der die identifizierten Einschränkungen (Bodenbeschaffenheit, verfügbarer Platz, Deckenhöhe, Motivzugang) und die vorgeschlagenen Lösungen auflistet. Dieses Dokument fließt in die Materialvorbereitung ein.

Ändert sich die Vorbereitungs-Checkliste je nach Produktionsart?

Die Struktur bleibt gleich, aber die Tiefe jedes Schritts variiert. Für einen zweitägigen Kurzfilm kann die Vorbereitung in wenigen Tagen mit einem DoP-Gespräch und einer schnellen Besichtigung erledigt werden. Für eine 40-Tage-Serienproduktion kann die Vorbereitung ebenso viele Wochen dauern, mit mehreren Besprechungen, verschiedenen Besichtigungen und ausgedehnter Abstimmung mit dem 1. AD. Die Intensität der Vorbereitung ist proportional zum Umfang der Produktion.

Was tun, wenn sich das Drehbuch während der Vorbereitung ändert?

Drehbuchänderungen während der Vorbereitung sind häufig. Wenn eine Einstellung geändert oder hinzugefügt wird, bewertet der Obermaschinst die Ausrüstungsanforderungen neu und informiert den DoP und den 1. AD über die Auswirkungen auf die Aufbauzeit. Eine zwei Tage vor dem Dreh hinzugefügte Kranaufnahme kann eine Notmiete erfordern — mit Aufpreis. Je früher Änderungen kommen, desto weniger kosten sie.

Wie kann man Probleme am Set voraussehen?

Man kann nicht alle voraussehen — aber man kann ihre Wahrscheinlichkeit verringern. Gründliche Vorbereitung (detaillierte Besichtigungen, frühzeitige Fragen an DoP und Regisseur, vor der Abfahrt geprüfte Ausrüstung) eliminiert die meisten vermeidbaren Überraschungen. Für den Rest zählt Erfahrung: Dreißig Jahre am Set ermöglichen es, Situationen zu erkennen, die eskalieren werden, bevor sie eskalieren — und bereits eine Lösung im Kopf zu haben, bevor das Problem offiziell ist.

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