Kräne und Jibs erfüllen einen Zweck: die Kamera vom Boden zu heben — Luftaufnahmen, vertikale Bewegungen, Winkel, die sonst unerreichbar wären. Zwischen einem Jimmy Jib für 800 Euro pro Tag und einer Technocrane für 2.000 Euro ist der Unterschied nicht allein der Preis. Er liegt in der Reichweite, der Tragfähigkeit, dem verfügbaren Steuerungsgrad und den logistischen Anforderungen, die jede Maschine am Set stellt.
Dieser Leitfaden vergleicht die wichtigsten Werkzeuge professioneller Produktionen mit den Parametern, die die Wahl bestimmen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Filmkran und einem Jib?
Der Unterschied ist sowohl technischer als auch praktischer Natur. Ein Jib ist ein Auslegerarm, der auf einem Stativ oder einem Dolly-Kopf montiert wird. Er hebt oder senkt die Kamera entlang eines vordefinierten Bogens, ohne horizontale Verschiebung. Schneller Aufbau. Begrenzte Reichweite — bei den meisten gängigen Modellen von 1,5 bis 4 Metern.
Ein Filmkran ist eine selbsttragende oder fahrzeugmontierte Maschine, deren Arm 10, 15 oder sogar 20 Meter überschreiten kann. Komplexe simultane Bewegungen: Translation, Elevation, Kopfrotation. Die meisten professionellen Kräne integrieren einen kreiselstabilisierten Fernsteuerungskopf — der Kameramann steht während der Einstellung nicht mehr physisch hinter der Kamera.
„Die eigentliche Frage ist nicht Kran oder Jib — es ist die Frage, welche Trajektorie der Regisseur im Kopf hat. Wenn die Einstellung verlangt, bei gleichzeitiger Vorwärtsbewegung von 5 Metern auf 8 Meter zu steigen, scheidet der Jib aus. Wenn es nur eine einfache Aufwärtsbewegung auf 3 Meter in einem Innenraum ist, wäre eine Technocrane unverhältnismäßig.”
Die Verwechslung beider Begriffe ist in Produktionsbriefings häufig. Sie führt zu erheblichen Unter- oder Überschätzungen im Maschinerie-Budget.
Technocrane: der Standard bei Produktionen mit hohem Budget
Die Technocrane ist der Referenz-Teleskopkran bei Großproduktionen. Hergestellt vom gleichnamigen deutschen Unternehmen, ist sie in verschiedenen Versionen je nach geforderter Reichweite erhältlich (von 7 bis 21 Metern). Bei HBO- und Netflix-Drehs führt sie häufig Eröffnungsaufnahmen oder Sequenzen großen Spektakels aus.
Technische Merkmale
Die Technocrane 20T — das in der internationalen Produktion am häufigsten verwendete Modell — bietet einen Teleskoparm mit einer Reichweite von 20 Metern. Der stabilisierte Kopf nimmt Kameraaufbauten bis zu 30 kg auf. Sie bewegt sich auf einer motorisierten Plattform, die während der Einstellung geschleppt oder geschoben werden kann — was horizontale Translationen gleichzeitig mit der Elevation ermöglicht.
Gesamtgewicht leer: über 600 kg. Transport erfordert einen dedizierten LKW. Der Aufbau bindet vier bis sechs Maschinenisten und dauert je nach Dekorkonfiguration zwei bis vier Stunden.
Mietkosten
Die Miete einer Technocrane liegt bei etwa 1.800 bis 2.200 Euro pro Tag, ohne Transport und ohne Maschinenisten-Team. In Regionen oder bei Pariser Drehs kann der Logistikaufwand 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Das sind Budgets für Spielfilmproduktionen und Premium-Serien — keine kurzen Werbedreh, außer in Ausnahmefällen.
Jimmy Jib: der zugängliche Kran für mittlere Produktionen
Der Jimmy Jib ist ein modularer Aluminium-Jib, dessen Reichweite je nach Sektionskonfiguration von 2 bis 9 Metern variiert. Er ist zum Standard bei Fernsehproduktionen, Musikvideos, Werbespots und hochwertigen Dokumentarfilmen geworden.
Was den Jimmy Jib auszeichnet
Sein Hauptvorteil ist die Montagegeschwindigkeit — maximal eine Stunde für eine kurze Konfiguration. Transport in Standardkoffern, kein Spezial-LKW erforderlich. Der ferngesteuerte Pan/Tilt-Kopf ermöglicht die Kaderkontrolle aus der Distanz. In der Langversion (9 Meter) nähern sich die Bewegungen visuell einem leichten Kran an.
Seine Grenze: die Tragfähigkeit. Schwere Kameraaufbauten — ALEXA 35 in vollständiger Konfiguration mit anamorphotischem Objektiv — liegen an der Grenze der Standard-Spezifikationen des Jimmy Jib. Über 10 bis 12 kg wird die Stabilität am Armende problematisch.
Mietkosten
Ein kompletter Jimmy Jib mit Fernsteuerungsoperator wird für 700 bis 900 Euro pro Tag vermietet. Der Unterschied zur Technocrane betrifft nicht nur den Preis — er bezieht sich auf Reichweite, Tragfähigkeit und Flüssigkeit komplexer Bewegungen.
Supertechno: Leistung und Manövrierfähigkeit auf Fahrzeugbasis
Die Supertechno ist ein auf einer motorisierten Basis montierter Kran. Sein Arm kann 24 Meter erreichen. Die Plattform fährt autonom vor, zurück und dreht sich — was Bewegungen einer Amplitude ermöglicht, die Kräne auf fester Basis nicht erreichen können.
Es ist das Werkzeug für emblematische Einstellungen: am Boden auf dem Gesicht eines Schauspielers beginnen, auf 15 Meter aufsteigen, dabei zurückfahren und gleichzeitig schwenken, um ein weitläufiges Dekor zu enthüllen. Dieser Einstellungstyp findet sich in Vorspannsequenzen von Premium-Serien, in Spielfilmeröffnungen und bei Eventsequenzen.
„Bei einem Dreh für Agat Films hatten wir eine Eröffnungseinstellung, die eine 12-Meter-Elevation mit gleichzeitiger 8-Meter-Translation erforderte. Die Supertechno war die einzige Lösung. Wir verbrachten einen ganzen Tag damit, die Geschwindigkeiten einzustellen und die Koordination mit dem ersten Kameraassistenten zu erarbeiten. Aber das Ergebnis entsprach genau dem, was der Regisseur seit dem Storyboard im Kopf hatte.”
Die Supertechno erfordert eine rigorose Vorbereitung des Geländes: tragfähiger Untergrund, keine Hindernisse in der Luft (Stromleitungen, Bäume), in manchen Fällen Straßengenehmigungen für urbane Außenaufnahmen. Ihre Miete übersteigt in der Regel 2.500 Euro pro Tag ohne Transport.
MovieBird: der kompakte Kran für beengte Räume
Die MovieBird ist eine Reihe kompakter Kräne, die für Innenaufnahmen oder in beengten Umgebungen konzipiert wurden. Weniger bekannt als die Technocrane, aber von Obermaschinisten, die häufig in natürlichen Dekors arbeiten, sehr geschätzt.
Ihr Teleskoparm erreicht je nach Modell 10 bis 15 Meter. Ihre kompakte Basis ermöglicht es ihr, durch normale Türöffnungen zu fahren und sich in mittelgroßen Räumen aufzubauen — wo eine Technocrane den Abriss von Wänden erfordern würde.
Die MovieBird beantwortet eine präzise Anforderung: Kranbewegungen in Einschränkungen zu erzielen, die schwere Maschinen ausschließen. Preislich zwischen Jimmy Jib und Technocrane angesiedelt, generell 1.200 bis 1.600 Euro pro Tag.
Vergleichstabelle: professionelle Kräne und Jibs
| Werkzeug | Max. Reichweite | Traglast | Aufbau | Miete/Tag | Ideal für |
|---|---|---|---|---|---|
| Jimmy Jib | 9 m | ~10 kg | 1h | 700–900 € | TV, Clips, Werbung |
| MovieBird | 15 m | ~25 kg | 2–3h | 1.200–1.600 € | Beengte Innenräume |
| Technocrane | 20 m | ~30 kg | 2–4h | 1.800–2.200 € | Spielfilm, Premium-Serien |
| Supertechno | 24 m | ~35 kg | 4–6h | 2.500 € + | Großaufnahmen, Außen |
Diese Preise gelten für reine Geräteausleihe, ohne Transport und ohne Maschinenisten-Team. Bei einem Spielfilm stellt der Maschinenisten-Bereich — Obermaschinst, Set-Maschinisten, Fahrer — eine separate Budgetposition dar.
Wann welches Werkzeug: die Entscheidung des Obermaschinosten
Die Wahl zwischen diesen Werkzeugen ist nie rein theoretisch. Sie ergibt sich aus einer Kreuzlektüre von Storyboard, Dekoreinschränkungen, Drehplan und dem für die Maschinerie bereitgestellten Budget.
Fragen, die vor der Materialbestellung zu klären sind
Die geforderte Höhe. Wenn die Einstellung mehr als 8 Meter Elevation benötigt, scheidet der Jimmy Jib aus. Wenn die Elevation 4 Meter nicht überschreitet und die Last leicht ist, reicht ein einfacher Jib aus.
Die Art der Bewegung. Eine rein vertikale Bewegung rechtfertigt keine Technocrane. Sobald eine horizontale Translation hinzukommt, verengen sich die Optionen auf vollständige Kräne.
Das Kameragewicht. Eine ALEXA 35 mit anamorphotischem Objektiv und Zubehör kann 15 kg überschreiten. Der stabilisierte Kopf muss entsprechend dimensioniert werden — dieser Parameter schließt den Jimmy Jib oft aus Highend-Konfigurationen aus.
Die Installationszeit. Ein straffer Drehplan — drei Dekors an einem Tag — begünstigt schnell montierbare Lösungen. Eine einzelne lange Plansequenz an einem dedizierten Tag rechtfertigt schwere Lösungen.
Der verfügbare Raum. In natürlichen Dekors, bei niedrigen Decken, Treppen, Fluren — die MovieBird setzt sich oft aus rein logistischen Gründen gegen die Technocrane durch.
Der Beitrag des Obermaschinosten bei der Entscheidung
Die endgültige Entscheidung liegt beim Obermaschinisten, im Dialog mit dem Kameramann und bereits beim Motiv-Scout. Diese Rolle geht weit über die bloße Ausrüstungswahl hinaus.
Der Obermaschinst bewertet die Machbarkeit der vom Regisseur geplanten Einstellung. Er identifiziert die Risiken jeder Konfiguration — instabiler Untergrund, elektrische Einschränkungen, Gewicht auf Dekorstrukturen. Er koordiniert das Maschinenisten-Team und antizipiert die Montagezeiten im Drehplan.
Bei internationalen Produktionen — HBO, Netflix, Prime Video — ist dieser vorgelagerte Dialog systematisch. Das Maschinerie-Briefing wird mehrere Wochen vor dem Dreh auf Basis des annotierten Storyboards erstellt. Jeder Kran oder Jib ist einer bestimmten Sequenz zugeordnet, mit einer budgetierten Installationszeit.
Entdecken Sie unsere Filmtechnik-Dienstleistungen oder kontaktieren Sie uns für eine Besprechung Ihrer Produktionsanforderungen. Zur Wahl der zugehörigen Dollies und Schienensysteme lesen Sie unseren Leitfaden über Dolly und Travelling.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen einem Jib und einem Filmkran?
Ein Jib ist ein Auslegerarm auf einem Stativ, der Elevationsbewegungen entlang eines begrenzten Bogens ermöglicht (Reichweite 1,5 bis 9 Meter). Ein Filmkran ist eine selbsttragende Maschine mit Teleskoparm, kreiselstabilisiertem Fernsteuerungskopf und einer Reichweite, die 20 Meter überschreiten kann. Der Kran ermöglicht kombinierte Bewegungen — simultane Elevation, Translation und Rotation — die ein Jib nicht ausführen kann.
Wie viel kostet die Miete einer Technocrane für einen Filmdreh?
Die Miete einer Technocrane liegt zwischen 1.800 und 2.200 Euro pro Tag, ohne Transport und Maschinenisten-Team. Bei Drehs in entlegenen Regionen kann der Transport 600 bis 1.000 Euro extra kosten. Das ist eine Investition, die in die Budgets von Spielfilmproduktionen und Premium-Serien passt — knapppere Budgets wenden sich in der Regel an den Jimmy Jib (700 bis 900 Euro pro Tag).
Kann ein Filmkran im Innenbereich verwendet werden?
Ja, wenn das richtige Werkzeug gewählt wird. Die MovieBird ist für beengte Räume konzipiert — sie passt durch normale Türöffnungen und lässt sich in gewöhnlichen Räumen aufstellen. Die Technocrane kann ebenfalls im Innenbereich eingesetzt werden, aber ihre Abmessungen und ihr Gewicht erfordern große Volumina (hohe Decken, tragende Böden). In Wohnungen oder engen natürlichen Dekors ist die Technocrane ohne Vorbereitungsarbeiten oft nicht nutzbar.
Welcher Jib oder Kran für einen Dreh mit ALEXA-Kamera?
Die ALEXA 35 in vollständiger Konfiguration (Objektiv, Zubehör, Monitor) kann 15 kg überschreiten. Der Standard-Jimmy Jib erreicht dann seine Traglastgrenze, was die Stabilität am Armende beeinträchtigt. Für diesen Kameraaufbau sind Technocrane oder MovieBird besser geeignet — ihre stabilisierten Köpfe nehmen 25 bis 30 kg ohne Flüssigkeitsverlust auf. Die endgültige Wahl hängt auch von der Reichweite und der Art der geforderten Bewegung ab.
Benötigt ein Filmkran einen dedizierten Obermaschinosten für den Betrieb?
Ein professioneller Kran benötigt mindestens zwei Personen: einen Fernsteuerungsoperator und einen Obermaschinosten, der die gesamte Maschine beaufsichtigt. Bei schweren Modellen (Technocrane, Supertechno) zählt das Team während des Aufbaus oft vier bis sechs Personen. Das Betreiben dieses Materials ohne erfahrenen Obermaschinosten stellt ein echtes Sicherheitsrisiko dar, insbesondere hinsichtlich der Maschinenstabilität und des Gegengewichtsmanagements.