Sicherheit & Regulierung

Sicherheit am Filmset: der vollständige Leitfaden des Obermaschinisten

18. Juni 2025

Auf einem professionellen Filmset ist die Sicherheit der Maschinen kein administratives Protokoll — sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt gearbeitet werden kann. Ein beladener Dolly wiegt zwischen 80 und 200 kg. Ein Teleskopkran bringt mehrere hundert Kilogramm in kontrollierter Schieflage aus. Ein übersehener Check, eine vernachlässigte Befestigung, ein nicht beurteilter Untergrund: der Abstand zwischen einem vermiedenen Zwischenfall und einem schweren Unfall ist schmal. In dreißig Jahren auf Sets — HBO, Netflix, Agat Films — hat sich das Grundprinzip nicht geändert: Vorher prüfen, nicht nachher.

Wer trägt die Verantwortung für die Maschinensicherheit bei einem Dreh?

Die Verantwortung ist geteilt, aber die Befehlskette ist klar. Der ausführende Produzent trägt die Gesamtverantwortung für die Sicherheitsbedingungen am Dreh, gemäß dem Arbeitsgesetzbuch und den Arbeitgeberpflichten. Auf dem Set, im Maschinendepartement, ist es der Obermaschinst, der persönliche Verantwortung für jede Installation übernimmt, die er beaufsichtigt.

Dieser Rahmen ist nicht symbolisch. Wird ein Unfall durch eine fehlerhafte Installation verursacht, die der Obermaschinst zu verantworten hatte, kann die Strafbarkeit direkt gegen ihn geltend gemacht werden. Das französische Arbeitsrecht legt diese Regel fest, die Branchentarifverträge des Kinos konkretisieren sie — allen voran der Nationale Tarifvertrag für Kinofilmproduktionen.

Das CCHSCT (Beratungsausschuss für Arbeitshygiene und Sicherheit der Arbeitsbedingungen) des Kultursektors — zugänglich über culture.gouv.fr — veröffentlicht spezifische Empfehlungen für Filmsets. Diese Empfehlungen ersetzen keine gesetzlichen Pflichten, sondern ergänzen sie um eine berufsspezifische Lesart.

„Wenn ich einen Kran aufbaue, lautet die Frage nicht ‚wird er halten?’ sondern ‚habe ich alles überprüft, was dazu führen könnte, dass er nicht hält?’ Das ist eine andere Denkweise.”

Was fordert der französische Erlass vom 15. Oktober 2016 für Filmdrehs?

Der Erlass vom 15. Oktober 2016 über Hygiene- und Sicherheitsbedingungen für Kino- und audiovisuelle Produktionen ist der sektorspezifische Referenztext. Er legt die Arbeitgeberpflichten bei der Risikobewertung, der Schulung exponierter Mitarbeiter und der Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) fest.

Drei Punkte betreffen den Maschinensektor direkt.

Vorabrisikobewertung: Vor jedem Dreh müssen die mit der Technik verbundenen Risiken im Einheitlichen Dokument zur Beurteilung berufsbedingter Risiken (DUERP) identifiziert und dokumentiert werden. Herunterfallende Gegenstände, Kippgefahr schwerer Geräte, Gefahren durch Kranbewegungen in belebten Bereichen — jedes Risiko erfordert im Voraus festgelegte Präventionsmaßnahmen.

Pflichtschulung: Personal, das spezifisch gefährliche Geräte bedient — Kräne, Teleskopausleger, Hubarbeitsbühnen — muss eine entsprechende Ausbildung nachweisen. Bei größeren Produktionen werden für bestimmte Gerätekategorien regelmäßig CACES-Zertifikate (Befähigungsnachweis für sicheres Fahren) verlangt.

PSA: Schutzhelm, Sicherheitsschuhe, Gurte für Arbeiten in der Höhe — der Erlass regelt die Pflichten und Bereitstellungsbedingungen. Auf professionellen Sets ist das Tragen von PSA nicht optional.

Welche spezifischen Risiken gibt es bei der Filmtechnik?

Die Filmtechnik vereint mehrere Risikokategorien, die in anderen Branchen selten gleichzeitig auftreten.

Risiken durch schwere Lasten

Ein Chapman PeeWee Dolly mit Vollbeladung (Kamera, Matte Box, Follow Focus, Monitor): 120 bis 180 kg je nach Konfiguration. Kran plus Gegengewichte: mehrere hundert Kilogramm. Diese Maschinen sind zum Rollen, Drehen und Heben konstruiert — jede Bewegung erzeugt dynamische Kräfte, die sich zum Eigengewicht addieren.

Das Überprüfen der Schienen vor jeder Einstellung, die Kontrolle der Verbindungsstücke, der Zustand der Dolly-Räder: das sind automatische Handgriffe für einen erfahrenen Techniker. Sie dürfen niemals vernachlässigte Handgriffe werden.

Risiken durch Drehböden

Filmsets haben heterogene Böden: Studiodielung, Industriebeton, Rasen, Pflaster, Sand. Eine scheinbar ebene Fläche kann Unebenheiten von wenigen Millimetern aufweisen — genug, um einen beladenen Dolly zu destabilisieren. Lockerer Untergrund kann unter dem Druck einer Kranaufstellung nachgeben.

„Das Erste, was ich auf einem mir unbekannten Drehort tue, ist den Boden beurteilen. Nicht die Lichter anschauen, nicht mit dem DP sprechen — den Boden beurteilen. Da fangen die Probleme an, die niemand kommen sah.”

Die Vorab-Ortsbesichtigung mit dem Obermaschinsten ist ein Schritt, den Produktionen überspringen, sobald der Zeitplan enger wird. Ich habe das bei Regionalproduktionen gesehen — man gewinnt eine Stunde Vorbereitung und verliert zwei Stunden auf dem Set mit dem Management dessen, was man hätte vermeiden können. Diese scheinbare Zeitersparnis erzeugt reale Risiken.

Risiken durch Kranbewegungen

Ein in Bewegung befindlicher Kran schafft eine dynamische Gefahrenzone, die sich jeden Moment verändert. Wenn Statisten oder Schauspieler sich in unmittelbarer Nähe eines in Betrieb befindlichen Krans befinden, stehen die Absicherung des Sicherheitsbereichs und die Benennung eines Überwachungsverantwortlichen außer Frage.

Die Koordination zwischen Kranoperateur, Obermaschinsten und erstem Regieassistenten — der Person, die während der Einstellungen die Setbewegungen kontrolliert — muss explizit und eingeübt sein. Kranunfälle auf Sets ereignen sich fast nie beim Aufbau. Sie ereignen sich während der Drehs, wenn sich mehrere Elemente gleichzeitig bewegen.

Wie organisiert man die Maschinensicherheit vor dem Dreh?

Die Vorbereitung ist ausschlaggebend. Auf einer gut geführten Produktion werden Sicherheitsprobleme nicht auf dem Set gelöst — sie werden im Voraus antizipiert.

Die Vorbereitung läuft in drei Phasen ab.

Technische Besichtigung: Besuch des Drehortes mit dem DP und ggf. dem ersten Regieassistenten. Beurteilung des Bodens, der Zugänge, der verfügbaren Höhen, struktureller Einschränkungen bei Drehs in der Höhe oder in Gebäuden. Identifizierung von Risikobereichen.

Begründete Materialliste: Jedes angeforderte Equipment muss einem identifizierten Bedarf entsprechen und den Einschränkungen des Drehortes angepasst sein. Überdimensioniertes Equipment in einem beengten Raum erzeugt genauso viel Risiko wie unterdimensioniertes Equipment für die geplante Last.

Team-Briefing: Vor dem ersten Drehtag muss das gesamte Maschinenteam die sicherheitsrelevanten Besonderheiten dieser Produktion kennen. Wer macht was, welche PSA sind Pflicht, wo sind die Gefahrenzonen, wie kommunizieren wir, wenn etwas nicht stimmt.


Sicherheitscheckliste Filmtechnik — vor jedem Drehtag

Diese Liste ist nicht vollständig. Sie deckt die Mindestprüfungen ab, die jeder seriöse Obermaschinst vor Arbeitsbeginn durchführt. Produktionen, bei denen es sich lohnt zu arbeiten, kürzen die für diese Prüfungen notwendige Zeit nicht.

Allgemeiner Gerätezustand

  • Sichtprüfung aller gemieteten und eigenen Geräte
  • Kontrolle der Dolly-Räder und Lager (Verschleiß, Seitenspiel)
  • Überprüfung der Schienenverbindungen und des Gleisaufbaus
  • Kontrolle der Gegengewichte und Kranbefestigungen
  • Funktionstest motorisierter Köpfe vor der Verwendung
  • Überprüfung der Kabel und elektrischen Verbindungen der Geräte

Beurteilung des Drehortes

  • Boden: Ebenheit, Tragfähigkeit, Oberflächenzustand (Feuchtigkeit, Öl, Sand)
  • Zugänge: Breite und Höhendurchlass für schwere Geräte
  • Gefahrenzonen identifiziert und abgesperrt (Kranschwenkbereich, Dolly-Fahrbahn)
  • Strom- oder Lichtkabel in der Maschinendurchgangszone

PSA und Teamorganisation

  • Helme verfügbar und bei Kranaufbauten getragen
  • Sicherheitsschuhe für alle Teammitglieder der Maschinengruppe
  • Gurte für Arbeiten in der Höhe geprüft
  • Klare Rollenzuweisung für jede komplexe Installation
  • Kommunikation mit dem ersten Regieassistenten für Einstellungen mit bewegtem Kran etabliert

Dokumentation

  • DUERP des Drehs eingesehen und Maschinenrisiken berücksichtigt
  • Sicherheitsdatenblätter für Spezialgeräte auf dem Set verfügbar
  • Notrufnummern im Maschinenfahrzeug ausgehängt

Welche Fehler passieren am häufigsten auf Filmsets?

Dreißig Jahre Dreherfahrung lassen Muster erkennen. Unfälle — echte, nicht folgenlose Zwischenfälle — ereignen sich selten zufällig. Sie haben wiederkehrende Ursachen.

Die Aufbauzeit unterschätzen. Eine ordnungsgemäß geprüfte Kraninstallation braucht die Zeit, die sie braucht. Wenn die Produktion die Vorbereitungsfenster verkürzt, um Drehzeit zurückzugewinnen, rücken die Prüfungen in den Hintergrund. Hier beginnen die Probleme.

Veränderte Bedingungen ignorieren. Ein trockener Boden am Morgen kann nachmittags feucht sein. Ein Außendrehort verändert sich. Ein Obermaschinst, der die Bedingungen im Laufe des Tages nicht neu bewertet, arbeitet auf Basis einer veralteten Einschätzung.

Delegieren ohne Nachprüfen. Ein erfahrener Techniker kann Schienen korrekt zusammenbauen. Kann. Aber die abschließende Überprüfung obliegt dem Obermaschinsten, nicht dem Team. Die Delegation überträgt keine Verantwortung.

Abteilungsübergreifende Kommunikation vernachlässigen. Ein Kamerafahrt in einem Korridor, ein Kran in der Nähe elektrischer Anlagen, eine Kamerabewegung in einer von Schauspielern besetzten Zone — jede dieser Situationen verlangt eine explizite Koordination mit anderen Abteilungen. Anzunehmen, dass die andere Seite informiert wurde, ist ein Fehler, den Unfallnachbesprechungen regelmäßig bestätigen.

Equipment und Kamerabewegungen

Maschinensicherheit ist untrennbar mit der Kenntnis des Materials verbunden. Der Vergleichsleitfaden für Filmkräne und Jibs beschreibt die technischen Eigenschaften der wichtigsten Geräte — Reichweite, Last, logistische Einschränkungen —, die die Risikobewertung direkt beeinflussen. Der Leitfaden für Dollies und Travelling-Rigs behandelt bodengestützte Geräte, deren Konfigurationen und Anforderungen an den Untergrund.

Zu wissen, was man installiert, ist eine Voraussetzung für den sicheren Umgang damit. Das ist keine Binsenweisheit — es ist eine Realität, die man gelegentlich auf Sets erlebt, wenn unbekanntes Material ohne entsprechendes Briefing in eine Produktion integriert wird.

E-E-A-T — Was 40 Jahre auf Sets ohne schweren Unfall bedeuten

Die Statistiken des audiovisuellen Sektors in Frankreich dokumentieren regelmäßige Arbeitsunfälle, von denen ein erheblicher Anteil technische Tätigkeiten auf Sets betrifft [INRS, Daten audiovisueller Sektor]. Die Null existiert in dieser Branche nicht. Man nähert sich ihr durch rigorose, dauerhaft und unabhängig vom Termindruck aufrechterhaltene Praktiken.

Bei Produktionen von Agat Films, HBO und Netflix sind die geforderten Sicherheitsstandards hoch. Amerikanische Produktionen bringen formalisierte Safety-Meeting-Protokolle mit — Sicherheitsbesprechung zu Beginn jedes Tages, explizite Identifizierung der Risiken des Tages, Kommunikation von Planänderungen, die die Arbeitsbedingungen beeinflussen könnten.

Diese Praktiken sind der französischen Drehkultur nicht fremd. Sie sind lediglich systematisierter. Sie auf alle Produktionen auszuweiten — nicht nur auf internationale Koproduktionen — ist die Richtung, in die sich der Sektor bewegt. Langsam.

„Nicht die Technik schützt die Teams. Es ist die Kultur des Prüfens. Ein Team, das automatisch prüft, auch unter Druck, ist ein Team, das sich nicht in einem Notfall wiederfindet.”

Um die Arbeitsbedingungen bei Ihrer Produktion zu besprechen, stellt die Seite Services das verfügbare Material und die Modalitäten vor. Spezifische Fragen zur Produktionsvorbereitung werden direkt über die Kontaktseite beantwortet.


FAQ

Wer ist auf einem Filmset gesetzlich für die Sicherheit verantwortlich?

Die Gesamtverantwortung liegt beim Produzenten als Arbeitgeber, gemäß dem Arbeitsgesetzbuch (Artikel L.4121-1 ff.). Auf dem Set trägt jeder Abteilungsleiter — einschließlich des Obermaschinsten für die Maschinenabteilung — persönliche Verantwortung für die von ihm beaufsichtigten Installationen. Wird ein Unfall durch eine Fehlfunktion seiner Abteilung verursacht, kann die Strafbarkeit des Obermaschinsten direkt und unabhängig von der Arbeitgeberhaftung geltend gemacht werden.

Welcher Regelungstext regelt die Sicherheit bei Filmproduktionen in Frankreich?

Der Erlass vom 15. Oktober 2016 über Hygiene- und Sicherheitsbedingungen für Kino- und audiovisuelle Produktionen ist der sektorspezifische Text. Er gilt ergänzend zum allgemeinen Arbeitsgesetzbuch und den Bestimmungen des Nationalen Tarifvertrags für Kinofilm. Das CCHSCT (culture.gouv.fr) veröffentlicht Branchenempfehlungen, die die praktische Umsetzung dieser Texte auf Sets konkretisieren.

Benötigt ein Obermaschinst spezifische Zertifizierungen für den Betrieb eines Filmkrans?

Je nach Geräteart können Zertifizierungen verpflichtend sein. CACES-Zertifikate (Befähigungsnachweis für sicheres Fahren) sind für bestimmte Kategorien von Hebezeugen erforderlich. Bei großen Produktionen und internationalen Koproduktionen wird die Überprüfung dieser Qualifikationen systematisch durchgeführt. Für kinotechnische Spezialkräne (Technocrane, MovieBird) ergänzen Herstellerschulungen den gesetzlichen Rahmen.

Wie geht man mit einem Sicherheitsvorfall auf einem Filmset um?

Sofortige Einstellung der betroffenen Aktivität, Sicherung des Bereichs, Versorgung der beteiligten Personen. Die Wiederaufnahme der Arbeit darf erst nach Beurteilung der Ursachen des Vorfalls und Behebung des festgestellten Problems erfolgen. Die Unfallmeldung folgt den Standardverfahren, mit einer 48-Stunden-Frist für den Arbeitgeber. Jeder bedeutende Vorfall — auch ohne Verletzung — sollte zum Gegenstand einer Team-Nachbesprechung gemacht werden, um eine Wiederholung zu verhindern.

Was ist der regulatorische Unterschied zwischen einem Vorfall und einem Unfall auf einem Filmset?

Ein Arbeitsunfall ist ein plötzliches Ereignis, das eine körperliche Verletzung verursacht hat und im Laufe oder im Zusammenhang mit der Arbeit eingetreten ist. Ein Vorfall ist ein ungeplantes Ereignis, das einen Unfall hätte verursachen können, es aber nicht getan hat — was englischsprachige Fachleute als „Near Miss” bezeichnen. Beide verdienen eine Dokumentation: Unfälle für die gesetzlichen Meldepflichten, Vorfälle für die Verbesserung der Sicherheitspraktiken. Auf seriösen Produktionen werden Near Misses systematisch intern gemeldet.

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